Ein Teller Salat mit Ulrich Jordan:
Über Chefs im Beleidigtenmodus

Wirtschaftswoche Management-Blog, 16. August 2012

"Beleidigten-Dimensionen sind nicht zielführend bei Personalangelegenheiten", sagt Ulrich Jordan, seines Zeichens Führungskräfte-Coach aus Dortmund und früherer Personalchef bei Targobank (einst Citibank) sowie 3M. Wohl wahr. Doch trotzdem passiert es andauernd. Gerade Chefs, denen ein Mitarbeiter gekündigt hat, "stellen dann oft sofort auf Beleidigten-Modus um". Geht´s dem abwanderungswilligem Mitarbeiter tatsächlich nur um einen Gehaltsaufschlag, müsste das Unternehmen mit – wenn es einen Fehler gemacht, das Gehalt zu lange nicht erhöht hat und die Marktpreise längst gestiegen sind – den eingestehen und einen guten Mann oder eine gute Frau eben halten. Und selbst was drauflegen und dem Betroffenen gut zureden.

Hat er auch schon gemacht. Er saß damals im Urlaub im Strandkorb und diskutierte mit dem Abtrünnigen während seines eigenen Urlaubs. Mit Erfolg, der Mann blieb und es hat sich für die Company rentiert. Der so Gehaltene bekam vor allem aber mittelfristig eine neue Aufgabe, die der bis heute bravourös ausfüllt.

Und so läuft es eben ganz selten, auch bei anderen Personalchefs nicht, gibt Ulrich Jordan zu. Falschen Illusionen gibt er sich da nicht hin und sieht auch die eigenen Zunft durchaus nicht durch die rosarote Brille. Inzwischen hat er sich – es sind fast 30 Grad und Lust auf warmes Essen hat man dann weniger – im Düsseldorfer Basil´s nahe dem Graf-Adolf-Platz einen Salat mit Putenbruststreifen bestellt, der ihm offensichtlich gut schmeckt. Der Teller ist nämlich zügig leergeputzt.

Ehe wir uns versehen, landen wir bei dem Thema Psychopathen in Unternehmen. Und insbesondere dem Unterfall Narzisst, denn die seien die miesesten Menschenführer, berichtet Jordan. In der Gesamtbevölkerung gibts geschätzte zwei Prozent dieser Über-Eitlen Menschen, in den Führungsetagen dagegen zehn Prozent, berichtet der Coach, der es ja irgendwie wissen muss. kommt er doch nahe genug in Berührung mit dieser Spezies.

Warum gerade Narzissten so miese Vorgesetzte sind? Mehr als das, sie seien eine glatte Katastrophe für die ganze Organisation, legt er noch eins obendrauf. Kennzeichnend für Narzissten sei, dass sie "Opportunisten um sich herum scharen". Doch Narzissten hätten eben diese Gabe, einen unglaublichen Charme versprühen zu können, – wenn sie nur wollen. Und nur in dem Moment, wenn sie es wollen. Wenn sie jemanden um den Finger wickeln möchten. und das gelingt Narzissten dann eben auch, – andere einzuwickeln.

Lese-Tipp: Ulrich Jordan im Interview mit Stefanie Bilen von "Saal Zwei"  www.saalzwei.de

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